Autorenarchiv

Ankündigung, Termin 12. Juni und 30. Juni

Das nächste Erzählcafé findet statt am Dienstag, dem 12. Juni, 16-18 Uhr im Kinderzentrum, Pankower Allee 51.
Thema: Alt-Reinickendorf

Der nächste Stadtspaziergang am Samstag, 30. Juni, führt uns nach Alt-Reinickendorf.
Treffpunkt: 14 Uhr an der alten Dorfkirche.

Besuch des ehemaligen Luisenbades an der Badstraße in Wedding, 15. Mai 2012

Dass sich hier an der Badstraße ein

geschichtsträchtiger Ort befindet, verraten höchstens die beiden prächtigen Hausfassaden an der östlichen Seite der Badstraße, und nur wenige Menschen bemerken, dass man hier die Panke überquert. Die Reste des von uns aufgesuchten Luisenbades liegen im Hinterhof, den man über die schmale, grüne Travemünder Straße neben der Panke erreichen kann. Hier war unser Treffpunkt. Heute sind die noch erhaltenen Gebäude des ehemaligen Bades in den interessanten Neubau der Stadtbibliothek integriert. Einst umfasste das Luisenbad eine riesige Waldfläche, die sich auch über die westliche Straßenseite bis zur heutigen Prinzenallee und Pankstraße ausdehnte. Sie wurde in einen Kurpark mit Brunnenhäuschen Badeanstalt, Gastwirtschaft und Sommerhäusern umgewandelt, der jedoch ab 1856 parzelliert und bis 1873 bebaut wurde. Neben den alten Brunnenanlagen blieb nur ein einziges großes Grundstück übrig, auf dem ein Vergnügungsetablissement mit Schwimmbad, Kegelbahnen, Tanzhallen und Kaffeeküche entstand. Es wurde „Marienbad“ genannt. Der neue Besitzer des Marien- und Luisenbades, Carl Galuschki, errichtete dort das noch heute existierende, reich geschmückte Mietshaus Badstraße 38/39 mit dem Brunnen-Relief an der zur Panke hin orientierten Fassade. Das Mietshaus verkaufte er weiter, aber den Saalbau im Hofinneren vergrößerte er 1910 für ein Kino. Das „Lichtspieltheater Marienbad“ existierte dort bis in die Nachkriegszeit. Die in der Zwischenzeit heruntergekommene Luisenquelle wurde versiegelt. Ende der 1970er-Jahre wurde das Vorderhaus an der Badstraße saniert. Die Hofgebäude sollten abgerissen werden. Der Kinosaal war bereits abgetragen, als die Denkmalpflege beschloss, die restlichen Gebäude zu erhalten und unter Denkmalschutz zu stellen. Das „Vestibül“ des ehemaligen Tanzsaals  und das „Comptoir“ wurden in das neue Konzept, hier die Stadtbibliothek zu errichten, einbezogen, die am 1. November 1995 ihren Betrieb aufnahm.

Das hinter der Badstraße versteckte Kleinod begeisterte uns. Schön, dass wenigstens der historische Eingangsbereich zu den ehemaligen Tanzsälen noch erhalten ist und auch die Front des Cafés. So kann man sich ein wenig in die alten Zeiten hineinversetzen. Auch die Balustrade an der Pankebrücke deutet auf das ehemalige Etablissement hin. Die Bibliothek, die von einigen unserer Kiezhistoriker regelmäßig besucht wird, hat durch die Einbeziehung der alten Gemäuer eine einzigartige Atmosphäre erhalten.

Am gegenüberliegenden Ufer der Panke befindet sich eine alte Wassermühle, die um 1844 erbaut wurde. Sie war bis 1891 in Betrieb und ist das älteste erhaltene Wohn- und Gewerbehaus an der Badstraße. Schon 1714 wurde dort eine Walkmühle und ab 1731 eine Papiermühle errichtet. 1890 erwarb der Fabrikant Carl Arnheim das Mühlengelände zwischen den beiden Pankearmen und erbaute dort die Tresorfabrik S. J. Arnheim. Sie bestand aus einem Fabrikgebäude, vier großen Schuppen, einem Inspectorhaus und einem Wohngebäude. Architekt war Wilhelm Martens, ein früherer Mitarbeiter von Martin Gropius. Erhalten sind noch das Wohnhaus an der Badstraße und die Shedhallen, die man 1897 als zweite große Produktionsstätte errichtete. Heute dienen die denkmalgeschützten Hallen Berliner Künstlern als Bildhauerwerkstatt. Der westliche Pankearm wurde zugeschüttet, der östliche Flussarm begradigt und mit einer Ufermauer befestigt. Die alte Mühle wurde zur Druckereiwerkstatt ausgebaut. In die neuen Räume zog die Redaktion der 1887 gegründeten Gesundbrunner Zeitung „Die Quelle“. 1938 endete die Geschichte der traditionsreichen Tresorfabrik der jüdischen Familie Arnheim mit einer Zwangsversteigerung. Die Witwe des 1905 verstorbenen Fabrikanten, Dorothea Arnheim, und ihre beiden Söhne Felix und Siegmund Arnheim wurden von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern ermordet.

Nach so viel Geschichte liefen wir das Gelände des ehemaligen Luisenbades ab und warfen noch einen Blick auf die St. Pauskirche, die Karl Friedrich Schinkel 1835 als erstes Gebäude auf der westlichen Seite der Badstraße gebaut hatte. Die St. Paulskirche am Gesundbrunnen ist eine von vier Schinkel-Kirchen, die  fast gleichzeitig entstanden. Die anderen drei sind: die Elisabethkirche in der Rosenthaler Vorstadt, die Nazarethkirche auf dem Wedding und die Johanniskirche in Moabit. Nach dem Verkauf dieses ehemaligen Parks wurde das Gelände 1896 parzelliert und mit fünfgeschossigen Mietshäusern bebaut. Um die niedrige Kirche nicht ganz darin verschwinden zu lassen, errichtete man 1889 einen Glockenturm in Form eines Campanile, der die Häuser überragt. 1911 entstand als Anbau an die Kirche ein großes Gemeindehaus.

Zum Ausruhen und Kaffeetrinken setzten wir uns in der benachbarten Buttmannstraße in einen Hofgarten. Der Straßenname stammt übrigens von Philipp Buttmann, der ab 1858 Pfarrer an der Paulsgemeinde war und die Entwicklung des Gebietes 28 Jahre lang beobachtet und protokolliert hat.

Im Garten erfahren wir, dass dieses  und das Nachbargrundstück bis zu den 1980er-Jahren jeweils noch mit einem Seitenflügel und einem Quergebäude bebaut waren, die im Zuge einer staatlich geförderten Sanierung abgerissen wurden. Wir erhalten auch Informationen über die aktuelle soziale Situation in der Buttmannstraße und dass das Vermietungsmanagement Feingefühl erfordert.

Erzählcafé am 27. April 2012

Diesmal wieder eine ruhige Zusammenkunft im Kinderzentrum. Wir reflektieren unseren letzten Stadtspaziergang. Das ehemalige AEG-Gelände hatte es uns besonders angetan, weil drei aus unserer Gruppe dort beschäftigt waren oder dort ausgebildet wurden, allerdings zu jeweils anderen Zeiten. Herr Grühn berichtete, dass in dieser zentralen Ausbildungsstätte seine Lehrlingszeit verbrachte. Dort wurden u. a. Dreher, Schlosser, Werkzeugbauer ausgebildet, und alle sollten mit einer guten Note abschließen. Mittags konnte man in der großen Kanntine verschnaufen. Herr Schulze lernte dort ebenfalls, bevor er sein Ingenieurstudium begann, und Herr Schlickeiser sicherte sich dort 1960 seinen Unterhalt als Werkstudent, indem er Schilder auf gerade hergestellte Zähler aufnietete.

Dann gingen wir zu unserem neuen Thema über: die Badstraße in Wedding. Unser nächster Ausflug soll uns nämlich zum ehemaligen Luisenbad führen, das mit der räumlichen Entwicklung der Badstraße im Zusammenhang steht. Letzlich besteht auch ein Bezug zum Quartier am Letteplatz, denn die Badstraße beginnt als historische Ausfallstraße am Rosenthaler Tor, wo sie heute Brunnenstraße heißt. Deren Verlängerung ist die Residenzstraße, die in Reinickendorf liegt. Wie wir wissen, hat sich Berlin ringförmig ausgedehnt, und als der Wedding Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung immer enger mit Wohnungen bebaut wurde und aus den Nähten platzte, zogen die Menschen weiter in den Norden und siedelten sich auch am Letteplatz an.

Die Badstraße verwandelte sich im Lauf der Geschichte von einem ländlichen Weg zur bürgerlich-vorstädtischen Chaussee und Ende des 19. Jahrhunderts zur Vergnügungs- und Einkaufsmeile in einem proletarischen Wohnumfeld. Zum Ende des 20. Jahrhunderts verdeutlicht die Straße durch den Zuzug einer Vielfalt von Migranten erneut einen sozialen Wandel. Wenn man aufmerksam durch die Straße geht, kann man noch viele Hinweise auf alte Zeiten entdecken, vorausgesetzt, man sucht sie. Wer nicht weiß, dass es direkt an der Panke eine Quelle gab, die sich zu einem Ausflugsziel entwickelte, an dem sogar Villen entstanden und in deren Umgebung sich später ein Vergnügungsviertel mit Gartenrestaurants und Theatern herausbildete, der findet auch nicht das Relief mit dem Brunnen-häuschen an der Hauswand Badstraße 39.

Alles begann mit Entdeckung der Quelle neben der Panke, die dort mit zwei Armen eine kleine Insel umschloss. Angeblich soll König Friedrich I. nach einem Jadausflug begeistert von der Frische dieses Wassers gewesen sein. 1757 wies der Arzt und Hofapotheker Heinrich Wilhelm Behm die besondere Eigenschaft des Wassers nach und überzeugte Friedrich II., ihm zu erlauben, einen Brunnen anzulegen. Das Gelände wurde „Friedrichs-Gesundbrunnen“ genannt, und es entstand ein Brunnen- und Badebetrieb, der im Lauf der Geschichte wechselnden Erfolg verzeichnete. Der Badebetrieb zog zunächst ein bürgerliches Publikum an, das dort seine Villen errichtete. Das Gelände des Bades wurde mehrfach verkauft. 1845 erwarb es der Seidenfabrikant und Bühnenmaler Carl Gropius, der dem Bad, das inzwischen nach Königin Luise „Luisenbad“ genannt wurde, das Flair eines eleganten Erholungsortes verlieh.

Mit der Industrialisierung veränderte sich die Gesellschaft am Gesundbrunnen. In das nun dicht mit mehrgeschossigen Mietshäusern bebaute Gebiet zogen die Arbeiter ein, die in den nahe liegenden Industrieanlagen Arbeit fanden. In der Chaussee- und Ackerstraße lag das Zentrum des Maschinen- und Lokomotivbaus. In der Badstraße ließen sich neue Lokale nieder. Die Struktur des Vergnügungsviertels änderte sich. Seit 1873 führte die Pferde-Eisenbahn vom Rosenthaler Tor zum Gesund-brunnen. Sie machte den Ort noch attraktiver und trug zur Wertsteigerung der Grundstücke bei. In der Gründerzeit entstanden fünfgeschossige Mietshäuser mit prächtigen Fassaden und hohen Turm-aufbauten, die den Wohlstand ihrer Bauherren betonten.

Mit dem Tod von Carl Gropius 1870 ging die bürgerliche Epoche des Luisenbades zu Ende. Das Badehaus fiel der Straßenverbreiterung zum Opfer. Das Brunnenhäuschen und das Restaurant mussten dem prächtigen und noch heute existierenden Neubau des „Luisenhauses“, Badstraße 39, wei-chen, das der Zimmermeister Carl Galuschki 1891 errichtete. Allerdings ließ Galuschki das Brunnen-häuschen in der Nähe wieder aufbauen. Als 1908 die Travemünder Straße parallel zur Panke über das Gelände des alten Luisenbades gelegt wurde, wurde das Brunnenhäuschen endgültig entfernt. Das „Luisenhaus“ musste um ein Drittel abgetragen werden. Galuschki ließ als Erinnerung an das Luisenbad das Relief des Brunnenhäuschens an der neuen Fassade zur Travemünder Straße anbringen.

1. Stadtspaziergang, Samstag, 31. März 2012

Es war kalt und windig, als wir uns um 14 Uhr am Kinderzentrum trafen. Ein starker Regenschauer veranlasste Herrn Kraus, uns alle zu sich einzuladen, damit wir uns nicht beim Durch-die-Gegend-Laufen einen Schnupfen zuziehen würden. Doch wir lehnten eisern ab. Es war ein richtiges Aprilwetter, und da scheint auch mal die Sonne. Herr Schlickeiser schlug vor, einen Teil des Schäfersees zu umrunden und dann den Weg in Richtung der ehemaligen Eisfabriken zu nehmen.

Der Schäfersee entstand am Ende der Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren. Ein liegen gebliebener Eisblock war von Geschiebematerial überdeckt worden und blieb als Toteis zurück. Beim Schmelzen füllte sich die etwa 7 Meter tiefe und 4,5 Hektar umfassende Kuhle mit Wasser. Über Gräben, in westlicher Richtung über den schwarzen Graben, wurden die früheren Felder in den See entwässert. Um die Jahrhundertwende befand sich am östlichen Ufer eine Badeanstalt. In den 1920er Jahren ließ das Bezirksamt Reinickendorf um den See einen Park anlegen. Der Entwurf stammte vom Obergarteninspektor Karl Löwenhagen. Noch heute sind die Grundgedanken zu erkennen. Alle auf den See zuführenden Straßen – und auch einige Wohnanlagen – sind in die Parkgestaltung einbezogen worden. So sind die Straßen oft als Alleen ausgestattet, die, wie die Brienzer Straße, auf einem Aussichtsplateau enden, oder, wie die Baseler Straße, mit einer Promenade verbunden werden. Das heutige „Haus am See“ wurde 1926 als Kindertagesstätte mit großem Spielplatz erbaut. An der Holländerstraße gibt es zwischen den 1930/31 von Fritz Beyer erbauten, expressionistisch anmutenden Häusern eine große Grünfläche, die ursprünglich ein tiefer gelegter Staudengarten war. Bedauerlicherweise ist von dieser bewusst auf den Landschaftraum ausgerichteten Planung nichts mehr zu spüren. Nach dem Krieg wurden die in Teilen zerstörten Häuser wieder aufgebaut und eine dem Geschmack der 1950er Jahre entsprechende Grünfläche angelegt.

Wir bewunderten die nach dem Krieg mit Trümmerschutt angelegte kleine Insel im Norden des Sees, die gerade im Vorfrühling sehr romantisch wirkte, und bogen nach Norden in den breiten grünen Weg zwischen den Kleingärten ein. Hier befanden sich die großen Eisteiche der Fabriken Mudrack und Thater, die sich bis zur Emmentaler Straße im Norden und der Aroser Allee erstreckten. Als man die Eisgewinnung aufgab, entstand hier die Kleingartenkolonie Mariabrunn. Von den Eisfabriken gibt es noch einige Mauerreste, Teile eines Fabikgebäudes sowie einen halben Schornstein, die links des Weges liegen. Westlich, an der Mudrackzeile, befindet sich ein Wohnprojekt des Eisfabrikanten Wilhelm Rohrbeck. Es besteht aus vier Wohnzeilen, die von 1930-32 errichtet wurden. Die geplante Wohnanlage sollte mit 870 Wohnungen viel größer werden und auch ein Hallenbad umfassen, das mit dem aus der Eisproduktion abfallenden Warmwasser gespeist werden sollte. Wegen der Wirtschaftskrise konnte aber nur dieser erste Bauabschnitt realisiert werden. Bemerkenswert sind die Fassadengestaltung der Eingangsbereiche sowie die Bärenskulptur im Hof.

Unser nächster Haltepunkt war der ehemalige Industriehof der AEG, Aroser Allee,  Ecke Holländerstraße. Dort wurden damals Lehrlinge ausgebildet. Schade, dass Herr Grühn, der dort gelernt hatte, nicht dabei war, er hätte uns bestimmt viel erzählen können. Ursprünglich handelte es sich um die 1908 erbaute Luxuspapierfabrik Albrecht & Meister. Sie wurde in den 1920er Jahren von der AEG übernommen und nach und nach erweitert. Dass der Industriehof damals vorbildlich mit Büro- und Werksräumen sowie mit Kraftanlage, Kesselhaus, Werkstätten und Kantine bebaut war, ist leider heute nicht mehr nachvollziehbar. Etwa die Hälfte wurde zugunsten moderner Büroräume und eines Hotels abgerissen. Erhalten sind die Bürofront an der Aroser Allee und das Kesselhaus mit dem Schornstein, das als Restaurant ausgebaut wurde. Die Umwandlung in eine Dienstleistungsnutzung scheint zu einer Aufwertung der Umgebung beizutragen. Wenn dann auch noch der Flughafen Tegel geschlossen ist, wird man in dem Hotel sehr gut schlafen können.

In der Rütlistraße führte uns Frau Schiemann in einen Hof, wo noch die Remisen erhalten sind. Heute sind es Garagen. Sie aber hat es noch erlebt, dass hier Hühner und Kühe gehalten wurden. In einem der kleinen Hofgebäude konnte man Eier, Milch und Käse kaufen.

Hier überfiel uns ein schwerer Hagelsturm. Wir konnten unsere Schirme kaum festhalten. So passierten wir schnell den südlichen Weg am Schäfersee, warfen noch einen Blick auf die Galerie der Bäume des Jahres und steuerten das Café am See an. Ein wunderbar gedeckter Tisch wartete auf uns, und wir wärmten uns bei Kaffee und Kuchen wieder auf. Welche Freude, dass Frau Rusch trotz ihres schmerzhaften Knies auch noch dazu kam. Herr Schlickeiser überraschte uns mit historischen Fotos, auch aus seiner Jugendzeit am Schäfersee. Und dann kam die Sonne wieder heraus.

Besuch im Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung

Donnerstag, 22. März 2012

Dank eines Hinweises von Silke Schlichting fanden sich einige aus unserer Gruppe am Donnerstag nachmittag in einer Moschee wieder. Wir folgten einer Einladung, die Ausstellung „Weltreligionen-Weltfrieden-Weltethos“ der Stiftung Weltethos zu besuchen, uns einen Film über das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen anzusehen und an der anschließenden Podiumsdikussion teilzunehmen. Spannend war schon der Standort: eine Moschee im fünften Stock eines Gewerbegebäudes mitten im unwirtlichen Weddinger Gewerbegebiet zwischen Drontheimer und Tromsöer Straße. Nach Verlassen des Aufzugs mussten wir die Schuhe ausziehen. Dann konnten wir in der Moschee Platz nehmen, einem großen Raum, der mit einem hellgrünen und arabisch gemusterten Teppich ausgeschlagen ist. Rechts beteten die Männer, links einige Frauen. Die Ausstellung befand sich in einem anderen Raum. Jede Tafel war von einer bedeutendenen Welt-Religion belegt, die in ihren wichtigsten Grundzügen dargestellt wurde. So erfuhren wir etwas über den Islam, den Hinduismus, den Buddhismus, das Christentum, das Judentum und die Chinesische Religion. Hinter der Ausstellung steht die These, dass ohne Friede zwischen den Religionen auch kein Friede zwischen den Nationen bestehen kann. Gleichzeitig wird gezeigt, dass grundlegende ethische Standards allen Religionen gemeinsam sind. Darin steckt ein Grundprinzip der Humanität, welches alle Menschen verbindet. Insofern können die Weltreligionen zum (Welt-)Frieden beitragen.

Der Film erzählt über die positive Wende nach blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen im Nigeria der 1990er Jahre. Ein Imam und ein Pfarrer kamen zu Vernunft, schlossen eine Partnerschaft und wurden zum Vorbild für verfeindete Gruppen. Ihnen gelang es, Misstrauen, Hass Ängste und Verletztheit trotz der Verschiedenheit kultureller und religiöser Werte zu überwinden und zu gemeinsamen Positionen zu finden. Heute leiten sie gemeinsam ein Mediationszentrum.

Nach der Podiumsdikussion, die wie im Film von einem Imam und einem Pastor geführt wurde, gab es noch einen Imbiss für alle Teilnehmer, bei dem die Gastfreundschaft spürbar wurde.

Programm 2012

Seit 2011 erkunden Senioren, aber auch jüngere Nachbarn den Lettekiez. Sie besuchen Betriebe, Kirche und Kindergärten, machen Stadtspaziergänge, laden Gäste zum Erzählen ein oder berichten selbst über ihre Erfahrungen aus ihrem Leben und im Kiez – selbstverständlich im gemütlichen Rahmen bei Kaffee und Keksen. In diesem Jahr geht es weiter. Die Mitglieder des Projekts würden sich sehr über Zuwachs freuen.

Die Projektinhalte werden gemeinsam festgelegt. Die Gruppe trifft sich in der Regel jeden 2. Dienstag/ Monat von 16-18 Uhr im Kinderzentrum, Pankower Allee 51.

Alle Nachbarn und ihre Freunde sind herzlich eingeladen!
Folgende Termine wurden festgelegt (Änderungen vorbehalten):

Dienstag, 16. März         Vorbereitungstreffen

Donnerstag, 22. März         Ausstellungsbesuch und Film: Weltfrieden

Samstag, 31. März         14 Uhr, Stadtpaziergang (Schäfersee)

Dienstag, 24. April         Erzählcafé / Geschichte der Badstraße/ Wedding

Dienstag, 15. Mai         Kiezhistoriker(Besuch ehem.Luisenbad/ Wedding)

Freitag, 1. Juni           Lettefest / Kiezrätsel

Dienstag, 12. Juni         Erzählcafé / Geschichte Alt-Reinickendorf

Samstag, 30. Juni         14 Uhr, Stadtspaziergang (Alt-Reinickendorf)

Dienstag, 10. Juli         Kiezhistoriker (Besuch einer Einrichtung o. ä.)

Dienstag, 7. August         Erzählcafé

Samstag, 25. August         14 Uhr, Stadtspaziergang

Dienstag, 11. Sept.         Kiezhistoriker (Besuch einer Einrichtung o. ä.)

Dienstag, 9. Oktober         Erzählcafé

Dienstag, 13. Nov.         Kiezhistoriker (Besuch einer Einrichtung o. ä.)

Abschlusssitzung         wird noch bekanntgegeben

Vorbereitungstreffen am 16. März 2012

Die Kerngruppe ist komplett zum Vorbereitungstreffen in das Kinderzentrum erschienen. Silke Schlichting hat uns zum Auftakt des neuen Jahres begrüßt, und wir begannen, unsere Wünsche für unser Programm zusammenzustellen. Manche wollten sich der Hausotter- und der Schäfersee-Schule widmen, andere wünschten sich einen Besuch im Seniorenheim Stargardtstraße oder im neuen Gemeindehaus der Evangeliumskirchengemeinde. Für die Stadtpaziergänge wurden die Bereiche an der nördlichen Provinzstraße und um das Luisenbad im Wedding vorgeschlagen, dann fiel uns noch der alte Dorfkern Reinickendorf ein. Für den nächsten Stadtpaziergang am 31. März wollten wir uns den Bereich um den Schäfersee vornehmen. Damit war schon mal eine Entscheidung gefällt.

Als Silke Schlichting intervenierte und für das Erzählcafé vorschlug, sich mit „Konvertiten“ auseinanderzusetzen und Menschen einzuladen, die zum Beispiel vom Christentum zum Islam übergetreten sind, begann eine hitzige Diskussion. Viele Vorurteile wurden bedient. Ich muss gestehen, dass ich als Projektleiterin Schwierigkeiten hatte, die Diskussion zu lenken. Was wollen wir denn eigentlich? Das war die richtige Frage, um wieder Klarheit zu gewinnen. Wir wollen ein friedliches Miteinander in Wohngebieten, in denen die verschiedensten Nationalitäten auf engem Raum zusammenleben. Welchen Beitrag können wir dazu leisten? Wir sollten uns zunächst informieren und Menschen anderer Religionen oder Kulturkreise kennenlernen. Es geht um Toleranz. Was bedeutet uns die Religion des eigenen Kulturkreises? Wer ist noch Mitglied der Kirche? Die Diskussion ließ durchscheinen, dass selbst in unserer Gruppe keine homogene Auffassung von der für uns „zuständigen“ Religion, dem Christentum, besteht. Deshalb kamen wir zu dem Schluss, dass es gut ist, mehr zu wissen und sich mit diesen Fragen intensiver auseinanderzusetzen. Wir baten Silke Schlichting, für uns einen Kontakt zu knüpfen.

Wir machen weiter!

“Der Lettekiez gestern und heute”: Mitstreiter gesucht!

Kiezhistoriker und Erzählcafé: Wir machen weiter mit unseren Kiezerkundungen und Stadtspaziergängen!

Seit 2011 erkunden Senioren, aber auch jüngere Nachbarn den Lettekiez. Sie besuchen Betriebe, Kirche und Kindergärten, machen Stadtspaziergänge, laden Gäste zum Erzählen ein oder berichten selbst über ihre Erfahrungen aus ihrem Leben und im Kiez – selbstverständlich im gemütlichen Rahmen bei Kaffee und Keksen. In diesem Jahr wird es weitergehen. Die Mitglieder des Projekts würden sich sehr über Zuwachs freuen.

Sie sind herzlich eingeladen!

Die Gruppe trifft sich jeden 2. Dienstag/ Monat von 16-18 Uhr im Kinderzentrum, Pankower Allee 51. Am ersten Termin dieses Jahres werden wir gemeinsam das Programm aufstellen. Er findet statt am

  • Dienstag, dem 13. März 2012, 16 Uhr im Kinderzentrum.

Unseren nächsten Stadtspaziergang veranstalten wir am

  • Samstag, dem 31. März 2012, 14 Uhr, Treffpunkt vor dem Kinderzentrum

Heute Abschlusstreffen

Hallo liebe KiezHistoriker!

Heute treffen wir uns im Quartiersbüro. Wie gewohnt um 16 Uhr.
Wir freuen uns auf Sie!

Bericht vom 3. Kiezspaziergang am Samstag, dem 8. Oktober 2011

Mit dem Wetter hatten wir Glück: Es war zwar kühl und windig, aber der vorhergesagte Regen kam nicht. Alle Kiezhistoriker versammelten sich pünktlich beim Kinderzentrum. Wir wollten die nordöstliche Ecke des Lettekiezes erkunden.

Die gewachsene Siedlungsstruktur des Lettekiezes kann man allein an der Pankower Allee ablesen. Es gibt noch einige Häuser aus der vorstädtischen Phase um 1870: zweigeschossige Wohnhäuser mit kleinen gewerblich genutzten Gebäuden in der Tiefe der Grundstücke, wie die Nummern 9 oder 13-15. Auf dem letztgenannten Grundstück befindet sich noch heute eine Fischräucherei. Prägend aus dieser Zeit sind jedoch die Gebäude der „Großen Lettekolonie“, die zusammen mit der „Kleinen Lettekolonie“ an der Reginhardstraße die erste geplante Siedlung darstellen. Leider hat der Krieg viele Häuser zerstört, der Rest ist durch bauliche Eingriffe verändert worden. In der Pankower Allee 38-40 gibt es noch ein gut erhaltenes Beispiel, ein Doppelwohnhaus mit Rundbogenfenstern im Obergeschoss. Der Erbauer dieser Siedlung war Heinrich Quistorp mit seiner „Westend-Gesellschaft“, der die Letteallee anlegte, das Terrain parzellierte und zwei Reihen dieser Doppelwohnhäuser mit Ställen und Gartenland errichten ließ. An der Pankower Alle finden sich auch Beispiele für den spekulativen Mietwohnungsbau um die Jahrhundertwende, wie  Nr. 45, Ecke Kühleweinstraße. Die in der Weimarer Zeit errichteten Gebäude sind großfigurige Randbebauungen. Die Baublöcke wurden nicht mehr parzellenweise verkauft und bebaut, sondern als Großformen errichtet. Das Kriterium: „Licht, Luft und Sonne“ bestimmte den Städtebau. Es entstanden zwar kleine, immer gleiche, aber hygienisch einwandfreie Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung. Trotzdem waren die Wohnungen damals für manche Arbeiter noch zu teuer. Dieser Wohnungsbau überwiegt im Lettekiez. Bei unserem Rundgang  haben wir uns die Häuser verschiedener Gesellschaften angesehen: DeGeWo, BVG-Heimstätten, Eintracht, Grundstücks-Verwaltungsgesellschaft Epensteinplatz. Alle weisen große, ruhige Innenhofe oder begrünte Wohnstraßen auf. Frau Rusch (86 Jahre) zeigte uns in der Gedonstraße die Wohnung, in der sie als Kind gewohnt hat. Als wir den nahegelegenen Letteplatz besichtigten und den ehemaligen Bunker erwähnten, der dort gestanden hat, sagte sie: „Nie kam mir der Weg von meiner Wohnung bis zum Bunker so lang vor wie in den Bombennächten, als wir dort Schutz suchen mussten“.

Wir haben uns das ehemalige Straßenbahndepot angesehen, liefen bis zum Hausotterplatz um den Baufortschritte des Evangeliums-Gemeindehauses zur Kenntnis zu nehmen, warfen einen Blick zur Bäckerei Modrow und zur ehemaligen Schnapsfabrik, diskutierten über die Situation am Epensteinplatz und wanderten dann auf der Letteallee vorbei an attraktiven Mietshäusern und am künftigen Familienzentrum bis zum Quartiersladen an der Mickestraße. Dort ließen wir alles noch einmal bei Kaffee und Keksen Revue passieren.