KiezErzählcafé

5. Erzählcafé am 13.09.2011

Frau R. (87 Jahre alt) erzählte uns ihre Liebesgeschichte aus Kriegszeiten, zum Glück mit Happy-End: Sie lernte einen jungen Soldaten kennen und die beiden verliebten sich ineinander. Aber er war im Krieg und sie konnten sich nur selten sehen. Dann hörte sie nichts mehr von ihm. Erst nach einem halben Jahr erreichte sie eine der damals üblichen vorgedruckten Postkarten, dass er noch lebe und in Kriegsgefangenschaft sei. Dann konnten sie sich wenigstens regelmäßig schreiben. Frau R. zeigte uns die alten Briefe, die sie aus der Gefangenschaft erhielt. Es waren linierte Bögen, die nur auf diesen Linien beschrieben werden durften. Da es immer nur eine Seite war, die den Gefangenen zur Verfügung gestellt wurden, versuchten sie mit möglichst kleiner Schrift so viele Mitteilungen wie möglich aufs Papier zu bringen.

Nach zwei Jahren wurde ihr Freund aus der Gefangenschaft entlassen. Doch um zusammen zu leben und eine Wohnung zu bekommen, mussten sie heiraten. Eigentlich kannten sie sich ja kaum. Aber es ist gut gegangen. Sie bekamen einen Sohn und lebten glücklich und zufrieden…..

Erzählcafé mit Pfarrer Sellin-Reschke

Bericht vom Erzählcafé mit Pfarrer Sellin-Reschke am Dienstag, dem 9. August 2011

Der Tisch in der Evangeliumsgemeinde ist gedeckt, Kekse und Kaffee stehen bereit. Pfarrer Sellin-Reschke gießt ein. Dann berichtet er, dass er hier seit 2007 Pfarrer ist. Den 5 400 Gemeindegliedern stehen zurzeit 1,75 Pfarrstellen gegenüber. Vor 10 Jahren gab es noch 3 Pfarrstellen. Er selbst hat eine Dreiviertel-Stelle.

Die Evangeliumsgemeinde ist zurzeit mit dem Bau eines Gemeindezentrums (mit Kita) befasst. Künftig soll das Gemeindeleben nur noch an einem Standort, nämlich an der Kirche stattfinden. Das weiter entfernte Gemeindehaus, Baujahr 1905, Umbauten aus den 1960er Jahren, ist bereits verkauft worden. Viele helfen mit, den Neubau zu finanzieren: das Land Berlin (für die Kita), die evangelische Landeskirche, der Kirchenkreis, die Gemeinde selbst durch ein geerbtes Mietshaus, von dessen Mieterträgen ein Kredit finanziert wird, sowie viele Gemeindeglieder durch das, was sie beisteuern können. Da das Kirchengrundstück relativ klein ist, kann die Kita nur noch mit 55 Plätzen statt zurzeit mit 65 ausgestattet werden. Auch für die Gemeindearbeit wird weniger Platz zur Verfügung stehen, doch mit Mehrfachnutzungen lassen sich gute Lösungen finden. Das neue Haus wird dafür viel weniger Energie verbrauchen, und das wird allen zugute kommen.

Zu den wichtigen Aufgaben der sozialen Diakonie zählt das Projekt „Laib und Seele“, das Harz-IV-Empfänger mit noch guten, aber nicht mehr verkaufbaren Lebensmitteln versorgt. Hier engagieren sich ausschließlich ehrenamtliche Helfer, manchmal macht auch einer von den Kunden mit. Leider findet das Projekt in der Teichstraße statt und nicht in der Kirche, so dass vielen Kunden gar nicht bewusst ist, wer der Initiator ist. Ein weiteres Projekt ist der Nachhilfeunterricht, der im Nachbarschaftszentrum unter der Regie einer Sozialpädagogin angeboten wird, gestützt von vielen Ehrenamtlichen. Schließlich bleibt die klassische Gemeindearbeit mit Konfirmandenunterricht, Seniorenkreis, Betreuung der Kita und der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, die ebenfalls große sozial-diakonische Aufmerksamkeit erfordert. Es gibt ein starkes soziales Gefälle im Reinickendorf und eine große Bedürftigkeit im Kiez.

Die Anforderungen an die Kirche haben sich im Lauf der Zeit verändert. Abnehmende Mitgliederzahlen und sinkende Kirchensteuereinnahmen erfordern eine größere Offenheit. Trotzdem muss die Kirche ihr Profil wahren. Es gibt Menschen, die nicht in der Kirche sind, und dennoch beispielsweise kirchlich getraut werden möchten. Allgemein ist die Sehnsucht nach Spiritualität, dem Gegenteil des Weltlichen, groß. In einem Wohngebiet mit einer aus vielen verschiedenen Nationen zusammengesetzten Bevölkerung kann Kirche Mission bedeuten. Es geht darum, einfache, richtige Worte zu finden, um die Menschen zu begeistern. Kirche ist aber auch Rückzugsgebiet für „Menschen ohne Migrationshintergrund“. In der Kita der Gemeinde, zum Beispiel, wird Wert auf die kulturelle Mischung gelegt. Alle können davon profitieren, und wenn es nur der Grill ist, der im Rahmen eines gemeinsamen Festes von muslimischen Eltern während einer Andacht gehütet wird.

Sellin-Reschke wird bis 2017 Pfarrer der Evangeliumsgemeinde sein, dann wird er an eine andere Gemeinde versetzt. So sind die Vorschriften. Angesichts langfristiger Projekte wie das Bauvorhaben erscheint ihm diese Zeit recht knapp. Abschließend verlas er einen Segen. Wir, die Mitglieder des Erzählcafés, bedanken uns herzlich bei Pfarrer Sellin-Reschke und der Evangeliumsgemeinde für diese aufschlussreichen beiden Stunden.

Ankündigung: 4. ErzählCafé

Erzählcafé mit Pfarrer Sellin-Reschke

Achtung, anderer Treffpunkt!

Am Dienstag, dem 9. August 2011, 16 Uhr, findet das KiezErzählcafé in den Räumen der Evangeliumskirchengemeinde, Hausotterstraße 25, statt (und nicht im Kinderzentum Pankower Allee). Björn-Christian Sellin-Reschke wird über seine Erfahrungen als Pfarrer im Kiez und sein Leben berichten.

Alle Nachbarn sind herzlich eingeladen.

Besuch der Kita Letteallee 82–86

An diesem herrlichen Sommertag konnte sich die Kita Letteallee (Kindertagesstätten Nordwest, Eigenbetrieb von Berlin) besonders gut präsentieren. Das dunkle Backsteingebäude und der lichtdurchflutete Anbau bilden einen reizvollen Kontrast. Und Frau Wiegand, die stellvertretende Leiterin, war bester Laune, als sie die Kiezhistoriker und den Nachbarschaftstreff vom Quartiersmanagement empfing. Sie lud uns zu einer Zusammenkunft in den ehemaligen Andachtsraum im Altbau ein, wo sie uns über die Konzeption der Kita informierte. Später sollte der Rundgang durch die Räume folgen.

Frau Wiegand arbeitet seit 1998 in der Kita. Als sie anfing, wurde gerade der Neubau fertig gestellt, so dass seitdem bis zu 188 Kinder betreut werden können. Ursprünglich diente das im neugotischen Stil gehaltene Backsteingebäude als katholisches Pfarrhaus mit einer Marienkapelle, in der Gottesdienste abgehalten wurden. Auf dem noch freien Teil des Grundstücks sollte eine große Kirche gebaut werden, was aus baurechtlichen Gründen versagt wurde. (Die Kirche entstand von 1913–1919 in der Klemkestraße 7.) 1945 wurde in dem Gebäude ein katholischer Kindergarten eröffnet, der bis 1990 in Betrieb war. Zwei aus unserer Gruppe haben als Kinder den Kindergarten besucht und erinnern sich noch an die Schwestern Edelburga und Elia, die die Kinder betreuten und sogar unter dem Dach wohnten. 1990 übernahm das Bezirksamt Reinickendorf das Grundstück mit dem inzwischen denkmalgeschützten Gebäude und ließ den großen Anbau errichten.

Wir saßen also in der ehemaligen Kapelle, und dank der historischen Fotos, die Herr Grühn aus der Tasche zog, konnten wir im Geist den alten Raum rekonstruieren. Jetzt ist er in zwei Gruppenräume aufgeteilt. Der Bericht aus dem Kitaalltag war beeindruckend. Heute kann jedes Kind seinen Neigungen folgen und wird in seinen Begabungen unterstützt und muss nicht mehr, wie früher, einen für alle bestimmten Plan absolvieren. Die Kinder werden altersgemischt betreut. So können sie voneinander lernen, auch, dass sie sich gegenseitig respektieren müssen. Und es gibt Regeln, zum Beispiel, wie man sich bei Tisch benimmt und dass man sich hilft. Elternmitarbeit wird groß geschrieben. Die Mitarbeiterinnen der Kita qualifizieren sich laufend weiter und erarbeiten sich neue Schwerpunkte. Sie orientieren sich am Berliner Bildungsprogramm. Manche Kinder werden sprachlich gefördert, damit sie gut Deutsch sprechen können, wenn sie in die Schule kommen. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass  Kinder aus nicht-deutschen Familien auch ihre erste Muttersprache nicht vernachlässigen müssen. Es gibt sogar eine Kinder-Computer-AG. Eine wichtige Rolle spielt das Essen, das in der Kita von zwei engagierten Köchinnen zubereitet wird, die beispielsweise genau wissen, welches die Lieblingsspeisen ihrer Schützlinge sind.

Und es gibt Pläne für die Zukunft. In Zusammenarbeit mit dem Quartiermanagement wird die Kita zum Familienzentrum ausgebaut. Der alte Kapellenraum soll in seiner ursprünglichen Größe wieder hergestellt werden. Die dadurch wegfallenden Gruppenräume werden durch eine Aufstockung des Neubaus, die weitere Räume für 25 Kinder umfassen soll, neu geschaffen. Das Familienzentrum soll auch die Nachbarn des Kiezes ansprechen; deshalb ist im Eingangsbereich ein Elterncafé vorgesehen.

Beim anschließenden Rundgang durch die schönen Räume, in denen Holz und Glas dominieren, und den wunderbaren Spielgarten mit  noch alten Obstbäumen, waren wir alle überzeugt, dass die Kinder der Lette-Kita beste Grundlagen erhalten, um selbstbewusst ins schulische Leben treten zu können.

Wir danken Frau Wiegand für den interessanten, engagierten Vortrag und ihre Gastfreundschaft.

Ankündigung: 3. Erzählcafé

Das 3. Erzählcafé findet statt am Dienstag, dem 28. Juni 2011, 16 Uhr in der KITA Letteallee 82. Wir werden das Haus besichtigen, und die Leiterinnen werden über ihre Arbeit berichten.

2. ErzählCafé

Das Erzählcafé begann am 12. April. Gast war Haci Duman, der von seinem Leben im Kiez, seiner Arbeit und seiner ehrenamtliche Tätigkeit in der Moschee berichtete.

Ankündigung: 1. Treffen des Erzählcafés

1. Termin: 12. April 2011, 16 Uhr,
Kinderzentrum Pankower Allee 51.

Haci Dumann erzählt aus seinem Leben zwischen Moschee und Lettekiez.

Erzählcafé: Was ist denn das?

Im KiezErzählcafé berichten einzelne Bewohner, Gewerbetreibende oder Ladenbesitzer über ihr Leben und ihre Erfahrungen im Lettekiez. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sind herzlich eingeladen, zum Zuhören oder auch zum Erzählen. Das KiezErzählcafé findet statt jeden 2. Dienstag im Monat von 16-18 Uhr im Freizeitzentrum Pankower Allee 51.