Archiv für September 2011

5. Erzählcafé am 13.09.2011

Frau R. (87 Jahre alt) erzählte uns ihre Liebesgeschichte aus Kriegszeiten, zum Glück mit Happy-End: Sie lernte einen jungen Soldaten kennen und die beiden verliebten sich ineinander. Aber er war im Krieg und sie konnten sich nur selten sehen. Dann hörte sie nichts mehr von ihm. Erst nach einem halben Jahr erreichte sie eine der damals üblichen vorgedruckten Postkarten, dass er noch lebe und in Kriegsgefangenschaft sei. Dann konnten sie sich wenigstens regelmäßig schreiben. Frau R. zeigte uns die alten Briefe, die sie aus der Gefangenschaft erhielt. Es waren linierte Bögen, die nur auf diesen Linien beschrieben werden durften. Da es immer nur eine Seite war, die den Gefangenen zur Verfügung gestellt wurden, versuchten sie mit möglichst kleiner Schrift so viele Mitteilungen wie möglich aufs Papier zu bringen.

Nach zwei Jahren wurde ihr Freund aus der Gefangenschaft entlassen. Doch um zusammen zu leben und eine Wohnung zu bekommen, mussten sie heiraten. Eigentlich kannten sie sich ja kaum. Aber es ist gut gegangen. Sie bekamen einen Sohn und lebten glücklich und zufrieden…..

Die nächsten Termine:

Erzählcafé: Dienstag, 27.09.2011, 18 Uhr, Haus am See, Stargardtsraße 9

Vortrag von Prof. Dr. Dr. Doerner: „Leben und Sterben – wo ich hingehöre“
Es wird gebeten sich beim Quartiersmamagement anzumelden: Tel: 49 987 089 -0

Stadtspaziergang am Samstag, dem 8. Oktober 2011, 14 Uhr. Treffpunkt vor dem Kinderzentrum Pankower Allee 51

Wir werden den Kiez um den Epensteinplatz näher erkunden. Alle Nachbarn sind herzlich eingeladen. Ausklang gegen 16 Uhr bei Kaffee und Keksen im Quartiersbüro Mickestraße 14/ Letteplatz

Weitere Termine Erzählcafe/ Kiezhistoriker:

Dienstag, 11. Oktober 2011, 16 Uhr (Das Thema wird noch bekanntgegeben. Den Ort bitte im Quartiersbüro erfragen, Tel: 49 987 089 -0)

Dienstag, 25. Oktober 2011, 16 Uhr, Treffpunkt Haupteingang Reginhard-Grundschule,
Besuch des Schulleiters Herrn Schaefer


Die KiezHistoriker bei Kryolan (4.Treffen)

Bericht vom Besuch der Kiezhistoriker beim Kosmetikhersteller Kryolan, Papierstraße 10, am 23. August 2011

Der Seniorchef Herr Langer empfing uns sehr freundlich, stellte uns im Büro seine Mitarbeiterinnen vor und führte uns ins Besprechungszimmer. Er berichtet: Kryolan ist ein Familienbetrieb. Er selbst ist 90 Jahre alt; seine Frau, sein Sohn (Wirtschaftsfachmann) und seine Enkelkinder sind im Betrieb integriert. Vor 65 Jahren wurde der Betrieb KRYOLAN gegründet, Hersteller von professionellem Make-up für Theater, Film und Fernsehen – weltweit. Mehr als 240 Mitarbeiter in Berlin und Zehlendorf sowie den internationalen Standorten in Polen, England, USA, Indien und Bangladesch engagieren sich für die Marke KRYOLAN Professional Make-up. Der Vorteil dieses Betriebs ist, dass er flexibel auf Anfragen reagieren kann. So können Make-ups nur für einen bestimmten Film oder eine Theateraufführung hergestellt werden. In den eigenen Labors arbeiten die Chemiker kontinuierlich an der Entwicklung neuer Produkte sowie an den Einsatzmöglichkeiten innovativer, hautpflegender Rohstoffe. Der Stammsitz in der Papierstraße verfügt über 5 000 Quadratmeter Fläche und wird laufend ausgebaut.

Herr Langer hatte während des Krieges sein Chemie-Studium abgeschlossen. Damals war er damit beschäftigt, Theaterschminke so zu verändern, dass sie auch für die aufkommenden Farbfilme eingesetzt werden kann. Nach dem Krieg machte er sich mit einem Partner selbstständig. Aus den beiden Namen, Krause und Langer, bildeten sie die Firmenbezeichnung KRYOLAN. Sie eröffneten eine kleine Fabrik in der Provinzstraße 49. Berlin war geteilt, und im Osten befanden sich die großen Opern und Theater, im Westen war die Kundschaft eher klein. Aufgrund der vielen Anfragen der Staatsoper beschloss man, auch in Ost-Berlin eine Firma (COLORA) zu gründen. Das funktionierte bis zum Mauerbau 1961. 1962 konnte Langer die Konkurrenz, die Hamburger Kosmetik-Marke Brändel aufkaufen. Als die alte Fabrik zu klein war, beschloss Langer, eine eigene Fabrik zu bauen. 1971 fand er in der Papierstraße das geeignete Grundstück. Außerdem gibt es seit 1998 in Zehlendorf bei Berlin-Oranienburg eine große Lagerhalle für 1 000 Europaletten. In Berlin sind 130, in Zehlendorf 15  Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma bildet aus zum Bürokaufmann, Lagerverwalter und Chemiefacharbeiter.

Anfang der 1970er Jahre wurden erste Kontakte zu den USA geknüpft und 1976 die erste Auslandstochter in Van Nuys, Kalifornien, gegründet. Die „Dermacolor“-Präparate zur Abdeckung von Hautanomalien wurden entwickelt. Bis 1981 wuchs der Exportanteil auf 60 Prozent, Südafrika und Südamerika wurden „erobert“. Seit 1982 werden regelmäßig in Berlin und anderen europäischen Städten Maskenbildnerseminare veranstaltet. In den 1980er Jahren kamen als neue Märkte Australien, Neuseeland und Asien dazu. 1987 baute KRYOLAN in San Francisco einen eigenen Firmensitz. In den 1990er Jahren gesellten sich die Tochterfirmen in London und Polen hinzu. KRYOLAN-Theaterschminken werden seitdem auf 5 Kontinenten vertrieben. Die weitere Entwicklung von KRYOLAN ist durch die Ausweitung des Produktionsprogramms auf den Gebieten der Camouflage und Dekorativen Kosmetik gekennzeichnet.

Anschließend hatten wir das Vergnügen, den Junior-Chef Wolfram Langer kennenzulernen, der uns über die Arbeit mit den ausländischen Filialen berichtete. Frau Pfeifer vom Außendienst erläuterte uns den Arbeitsbereich des eigenen Geschäfts in Hamburg, wo viele individuelle Wünsche der Maskenbildner erfüllt werden müssen.

Fasziniert von dieser internationalen Firma, ihrer spannenden Produktpalette und dem Organisationstalent der Chefs verabschiedeten wir uns. Keiner von uns hatte vorher eine Ahnung, dass sich in dieser kleinen Straße und hinter dieser eher unscheinbaren Fassade ein solches Unternehmen verbirgt.