Besuch des ehemaligen Klosters “Zum Guten Hirten”

Diesmal sind wir schon immerhin 12 Kiezhistoriker, die sich an der Residenzstraße 90 vor den Gebäuden der Caritas versammelt haben – die Gruppe wächst.

unsere Gruppe

Bis 1983 residierten an diesem Ort die katholischen Schwestern zum Guten Hirten, dann übernahm die Caritas den Gebäudekomplex, um im ähnlichen Sinn wie die Schwestern eine christliche Sozialarbeit zu machen. Herr Andreas Schmidt, Mitarbeiter im Rektorat des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V., empfing uns sehr freundlich. Er führte uns erst in die leider nicht mehr als Gotteshaus nutzbare Kapelle. Die alte Klosterkirche aus den 1890er Jahren war im Krieg zerstört worden. In den 1960er Jahren entstand dann diese Kapelle in moderner, schlichter Architektur, die in den 1980er Jahren durch den U-Bahn-Bau in ihrer Standfestigkeit erschüttert wurde, so dass sie nicht mehr als Kirchenraum genutzt werden durfte. Nun dient sie als Lagerraum für die Haushandwerker. An den farbigen Glasfenstern erkennt man, dass es eigentlich ein sakraler Raum ist.

Dann zeigte uns Herr Schmidt die Sozialstation, die für einen großen Umkreis die ambulanten Pflegedienste organisiert. Auch in das „Callcenter“ durften wir blicken, das überregional Tag und Nacht Pflegedienste vermittelt. Dann lernten wir die Innenräume des roten, im Stil der Gotik ausgeführten Backsteinbaus kennen. Die Räume sind einladend, hell und freundlich, aber nicht luxuriös eingerichtet. Wir durften in einem Versammlungsraum Platz nehmen und uns bei einem Kaffee kurz erholen. Herr Schmidt erklärte uns dabei die „Mentalität des Anwesens“ unter den wesentlichen Aspekten: katholische Soziallehre, Ordensgeschichte und Leitbilder der Caritas. Die Ordensschwestern kümmerten sich in der schwierigen Zeit des stürmischen Stadtwachstums Ende des 19. Jahrhunderts um gefährdete junge Mädchen. Sie bildeten sie in einer Hauswirtschaftsschule als Wäscherin oder Plätterin aus, so dass sie damit sich selbst unterhalten konnten. Anschließend wurden wir im Seniorenheim erwartet, wo uns die Leiterin ihr Konzept darlegte. Es wird alles dafür getan, dass sich die Menschen dort wohlfühlen. Angesichts des lauschigen grünen Innenhofs und der liebvollen Art der Leiterin kam auch gar kein Zweifel auf. Die Bewohner werden in den Betrieb einbezogen, indem sie sich an bestimmten Aufgaben beteiligen können. Wir durften sogar die Räume besichtigen und konnten uns überzeugen, dass man dort einen würdigen und entspannten Lebensabend verbringen kann. Beim anschließenden Rundgang über das üppig bewachsene Gelände konnten wir noch Spuren aus der Klosterzeit entdecken: Die Schwestern bewirtschafteten hier einen riesigen Obst- und Gemüsegarten und wir fanden noch einige alte Obstbäume. Heute dient das Gelände den Kindern und Jugendlichen, die dort in Wohngemeinschaften gemeinsam leben und unterschiedlich intensiv betreut werden. Die alten landwirtschaftlichen Gebäude sind als Werkstätten oder Lagerräume umgebaut worden. Früher gab es auch Schweineställe, sehr praktisch neben der großen Küche angeordnet. Die Küche dient jetzt als Kleiderkammer, wo sich Bedürftige bedienen können. Das riesige Gelände ist mit historischen und modernen Gebäuden bebaut.

Niemand aus der Gruppe hatte genau gewusst, was sich dort alles verbirgt. Der Blick hinter die Kulissen hat nicht nur neue, beeindruckende Erkenntnisse gebracht, sondern auch die Einsicht, dass es sich lohnen kann, einfach mal eine Tür zu öffnen und hineinzusehen.

Die Kiezhistoriker vom Quartiermanagement Letteplatz bedanken sich herzlich bei Herrn Andreas Schmitz für den anregenden und informativen Nachmittag.

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