Besuch der Kita Letteallee 82–86

An diesem herrlichen Sommertag konnte sich die Kita Letteallee (Kindertagesstätten Nordwest, Eigenbetrieb von Berlin) besonders gut präsentieren. Das dunkle Backsteingebäude und der lichtdurchflutete Anbau bilden einen reizvollen Kontrast. Und Frau Wiegand, die stellvertretende Leiterin, war bester Laune, als sie die Kiezhistoriker und den Nachbarschaftstreff vom Quartiersmanagement empfing. Sie lud uns zu einer Zusammenkunft in den ehemaligen Andachtsraum im Altbau ein, wo sie uns über die Konzeption der Kita informierte. Später sollte der Rundgang durch die Räume folgen.

Frau Wiegand arbeitet seit 1998 in der Kita. Als sie anfing, wurde gerade der Neubau fertig gestellt, so dass seitdem bis zu 188 Kinder betreut werden können. Ursprünglich diente das im neugotischen Stil gehaltene Backsteingebäude als katholisches Pfarrhaus mit einer Marienkapelle, in der Gottesdienste abgehalten wurden. Auf dem noch freien Teil des Grundstücks sollte eine große Kirche gebaut werden, was aus baurechtlichen Gründen versagt wurde. (Die Kirche entstand von 1913–1919 in der Klemkestraße 7.) 1945 wurde in dem Gebäude ein katholischer Kindergarten eröffnet, der bis 1990 in Betrieb war. Zwei aus unserer Gruppe haben als Kinder den Kindergarten besucht und erinnern sich noch an die Schwestern Edelburga und Elia, die die Kinder betreuten und sogar unter dem Dach wohnten. 1990 übernahm das Bezirksamt Reinickendorf das Grundstück mit dem inzwischen denkmalgeschützten Gebäude und ließ den großen Anbau errichten.

Wir saßen also in der ehemaligen Kapelle, und dank der historischen Fotos, die Herr Grühn aus der Tasche zog, konnten wir im Geist den alten Raum rekonstruieren. Jetzt ist er in zwei Gruppenräume aufgeteilt. Der Bericht aus dem Kitaalltag war beeindruckend. Heute kann jedes Kind seinen Neigungen folgen und wird in seinen Begabungen unterstützt und muss nicht mehr, wie früher, einen für alle bestimmten Plan absolvieren. Die Kinder werden altersgemischt betreut. So können sie voneinander lernen, auch, dass sie sich gegenseitig respektieren müssen. Und es gibt Regeln, zum Beispiel, wie man sich bei Tisch benimmt und dass man sich hilft. Elternmitarbeit wird groß geschrieben. Die Mitarbeiterinnen der Kita qualifizieren sich laufend weiter und erarbeiten sich neue Schwerpunkte. Sie orientieren sich am Berliner Bildungsprogramm. Manche Kinder werden sprachlich gefördert, damit sie gut Deutsch sprechen können, wenn sie in die Schule kommen. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass  Kinder aus nicht-deutschen Familien auch ihre erste Muttersprache nicht vernachlässigen müssen. Es gibt sogar eine Kinder-Computer-AG. Eine wichtige Rolle spielt das Essen, das in der Kita von zwei engagierten Köchinnen zubereitet wird, die beispielsweise genau wissen, welches die Lieblingsspeisen ihrer Schützlinge sind.

Und es gibt Pläne für die Zukunft. In Zusammenarbeit mit dem Quartiermanagement wird die Kita zum Familienzentrum ausgebaut. Der alte Kapellenraum soll in seiner ursprünglichen Größe wieder hergestellt werden. Die dadurch wegfallenden Gruppenräume werden durch eine Aufstockung des Neubaus, die weitere Räume für 25 Kinder umfassen soll, neu geschaffen. Das Familienzentrum soll auch die Nachbarn des Kiezes ansprechen; deshalb ist im Eingangsbereich ein Elterncafé vorgesehen.

Beim anschließenden Rundgang durch die schönen Räume, in denen Holz und Glas dominieren, und den wunderbaren Spielgarten mit  noch alten Obstbäumen, waren wir alle überzeugt, dass die Kinder der Lette-Kita beste Grundlagen erhalten, um selbstbewusst ins schulische Leben treten zu können.

Wir danken Frau Wiegand für den interessanten, engagierten Vortrag und ihre Gastfreundschaft.

Kommentieren