Bericht vom 3. Kiezspaziergang am Samstag, dem 8. Oktober 2011

Mit dem Wetter hatten wir Glück: Es war zwar kühl und windig, aber der vorhergesagte Regen kam nicht. Alle Kiezhistoriker versammelten sich pünktlich beim Kinderzentrum. Wir wollten die nordöstliche Ecke des Lettekiezes erkunden.

Die gewachsene Siedlungsstruktur des Lettekiezes kann man allein an der Pankower Allee ablesen. Es gibt noch einige Häuser aus der vorstädtischen Phase um 1870: zweigeschossige Wohnhäuser mit kleinen gewerblich genutzten Gebäuden in der Tiefe der Grundstücke, wie die Nummern 9 oder 13-15. Auf dem letztgenannten Grundstück befindet sich noch heute eine Fischräucherei. Prägend aus dieser Zeit sind jedoch die Gebäude der „Großen Lettekolonie“, die zusammen mit der „Kleinen Lettekolonie“ an der Reginhardstraße die erste geplante Siedlung darstellen. Leider hat der Krieg viele Häuser zerstört, der Rest ist durch bauliche Eingriffe verändert worden. In der Pankower Allee 38-40 gibt es noch ein gut erhaltenes Beispiel, ein Doppelwohnhaus mit Rundbogenfenstern im Obergeschoss. Der Erbauer dieser Siedlung war Heinrich Quistorp mit seiner „Westend-Gesellschaft“, der die Letteallee anlegte, das Terrain parzellierte und zwei Reihen dieser Doppelwohnhäuser mit Ställen und Gartenland errichten ließ. An der Pankower Alle finden sich auch Beispiele für den spekulativen Mietwohnungsbau um die Jahrhundertwende, wie  Nr. 45, Ecke Kühleweinstraße. Die in der Weimarer Zeit errichteten Gebäude sind großfigurige Randbebauungen. Die Baublöcke wurden nicht mehr parzellenweise verkauft und bebaut, sondern als Großformen errichtet. Das Kriterium: „Licht, Luft und Sonne“ bestimmte den Städtebau. Es entstanden zwar kleine, immer gleiche, aber hygienisch einwandfreie Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung. Trotzdem waren die Wohnungen damals für manche Arbeiter noch zu teuer. Dieser Wohnungsbau überwiegt im Lettekiez. Bei unserem Rundgang  haben wir uns die Häuser verschiedener Gesellschaften angesehen: DeGeWo, BVG-Heimstätten, Eintracht, Grundstücks-Verwaltungsgesellschaft Epensteinplatz. Alle weisen große, ruhige Innenhofe oder begrünte Wohnstraßen auf. Frau Rusch (86 Jahre) zeigte uns in der Gedonstraße die Wohnung, in der sie als Kind gewohnt hat. Als wir den nahegelegenen Letteplatz besichtigten und den ehemaligen Bunker erwähnten, der dort gestanden hat, sagte sie: „Nie kam mir der Weg von meiner Wohnung bis zum Bunker so lang vor wie in den Bombennächten, als wir dort Schutz suchen mussten“.

Wir haben uns das ehemalige Straßenbahndepot angesehen, liefen bis zum Hausotterplatz um den Baufortschritte des Evangeliums-Gemeindehauses zur Kenntnis zu nehmen, warfen einen Blick zur Bäckerei Modrow und zur ehemaligen Schnapsfabrik, diskutierten über die Situation am Epensteinplatz und wanderten dann auf der Letteallee vorbei an attraktiven Mietshäusern und am künftigen Familienzentrum bis zum Quartiersladen an der Mickestraße. Dort ließen wir alles noch einmal bei Kaffee und Keksen Revue passieren.

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