Heiligensee

Erkundigungsfahrt in den Norden Reinickendorfs

Samstag, 29. Juni 2013. Unser Ziel ist Alt-Heiligensee. Wir treffen uns an der Kirche auf dem Dorfanger. Unser Rundgang beginnt am Gedenkstein, der 2008 anlässlich der 700-Jahrfeier Heiligensees aufgestellt wurde. Wir bewundern den alten und herrlichen Baumbestand, der die historische Allee nachzeichnet. Kaum vorstellbar, dass hier von 1913 bis 1958 eine Straßenbahn entlang fuhr. Aber das ehemalige Straßenbahndepot kann man noch besuchen; als Kulturzentrum mit Restaurant und einer Blumenhandlung ist es ein lebendiges Zeugnis der Vergangenheit. Gegenüber der Dorfgaststätte entdecken wir einen seltenen, hochgewachsenen Maulbeerbaum, dessen Früchte wir unbedingt kosten müssen.

Heimatforscher Klaus Schlickeiser hat einen dicken Band über die Entwicklung Heilgensees veröffentlicht und weiß zu jedem Haus eine Geschichte. Wir hören etwas über die großen Bauerngehöfte, die Häuser der Kossäten, über Büdner- und Landarbeiterhäuser, erfahren aber auch etwas über prächtige Villen aus der Gründerzeit und Anfang des 20. Jahrhunderts. Schlickeiser weist uns auf ein giebelständiges Kossätenhaus noch aus der Barockzeit hin. Später wurden die meisten Wohnhäuser traufständig errichtet. Die Grundstücke verliefen lang und schmal zu beiden Seiten des Angers und erstreckten sich bis zum Wasser, nach Westen zur Havel beziehungsweise Nieder Neustädter See, nach Osten zum Heiligen See. Im Lauf der Jahrhunderte wurden sie auch in der zweiten Reihe mit Schuppen, Werkstätten und Scheunen bebaut; die Gehöfte bildeten Vierkanthöfe.

Heute wird Landwirtschaft bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr betrieben, so dass die Gebäude und Scheunen der zweiten Reihe in moderne Wohnhäuser umgewandelt wurden. Eine Ortssatzung bestimmt, dass die historischen Bauformen erhalten bleiben müssen, um den dörflichen Charakter zu wahren. Sogar das Kopfsteinpflaster der Dorfstraße ist wieder hergestellt worden. So muss man in dieser Idylle leider den Lärm ertragen, den die Autos auf dieser recht befahrenen Durchgangsstraße verursachen.

Zum Ausklang versammelten wir uns in der traditionellen Ausflugsgaststätte Dannenberg, die über eine wunderbare Terrasse mit Blick über die Havel und eine eigene Dampferanlegestelle verfügt. Wegen des regnerischen Wetters war der Tisch für uns im ehemaligen Pferdestall gedeckt.

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