Ausflug nach Wensickendorf

Endlich ein paar Tage richtiges Sommerwetter, und wir machen eine Fahrt ins Grüne. Familie B. hat uns (am Dienstag, dem 9. Juli 2013) in ihr Sommerhäuschen eingeladen. Vom Bahnhof Karow nehmen wir die Heidekrautbahn. Die zwanzigminütige Fahrt durch Wald und Felder reicht, um die hektische Großstadt für ein paar Stunden zu vergessen. Am Bahnhof Wensickendorf werden wir abgeholt. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir den wunderbaren Garten der Familie B. Im Schatten nehmen wir Platz am runden Tisch und naschen Johannis- und Erdbeeren aus dem Garten. Zur Überraschung aller setzt sich auch die Pfarrerin zu uns. Sie ist eingeladen, um uns die alte Dorfkirche zu zeigen, die aus dem Spätmittelalter stammt.  Am Tisch berichtet sie zunächst über ihren Aufgabenbereich. Sie ist für mehrere Gemeinden zuständig; ihr Amtssitz liegt in Liebenwalde. Wensickendorf und die Nachbargemeinde Zehlendorf gehören auch dazu. Bei den Gottesdiensten wechseln sich die Gemeinden ab. Die Pfarrerin stammt ursprünglich aus Leipzig und hat später in Berlin-Reinickendorf gelebt. So kennt sie die Kultur der ehemaligen DDR genauso gut wie die der West-Berliner oder West-Deutschen. Das ist ein Vorteil, der ihr bei ihrer heutigen Arbeit zugute kommt.

Auf dem Weg zur Kirche stellen wir fest, dass es im Dorf nur noch einen Bäcker und sonst keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Wöchentlich kommt ein Wagen mit Fleisch- und Wurstwaren. Aber das Dorf hat einen Kindergarten und einen Jugendraum. Es ist ein typisches Angerdorf mit einem breiten Wiesenstreifen, auf dem hohe Bäume stehen. Seitlich verläuft die relativ stark befahrene Durchgangsstraße.

Die Kirche in Wensickendorf ist bei Hochzeiten eine beliebte Kulisse. Und in dem historischen Gasthof kann man nach der Zeremonie stilvoll feiern. Hier lassen sich sogar viele Berliner Paare trauen. Das Gotteshaus ist aus Feldsteinen gebaut und steht mitten auf dem Dorfanger. Durch seinen rechteckigen Grundriss, der auch den Turm umfasst, wirkt es wie eine trutzige Burg. Über dem kurzen, quadratischen Turm erhebt sich ein hohes, spitzes Ziegeldach. Innen befinden sich ein hölzerner Kanzelaltar aus dem 17. Jahrhundert, der mit einer Sakristei aus dem 18. Jahrhundert verbunden ist, mehrere steinerne Figuren, das hölzerne Gestühl und die vor wenigen Jahren restaurierte Orgel auf der Empore. Die Pfarrerin weist auf ein historisches Harmonium hin, auf dem sie uns ein paar Takte vorspielt.

Anschließend wandern wir durch das Dorf zurück in den Garten. Dort warten Kaffee und Kuchen auf uns. Mit einem Gläschen Sekt beschließen wir diesen schönen Tag und machen uns auf den Rückweg nach Berlin-Reinickendorf.

Kommentieren